Neurodermitis

Was ist das eigentlich?

Allgemeines

Der Name “Neurodermitis” wurde von den Ärzten des 19. Jahrhunderts gewählt, da sie annahmen, dass die Ekzeme auf der Haut durch eine Nervenentzündung verursacht werden. Inzwischen weiß man, dass dies nicht der Fall ist, dennoch wird der Name auch weiterhin für die Erkrankung verwendet.

Neurodermitis ist eine chronische – entzündliche Hauterkrankung, bei der schubweise Ekzeme auftreten. Allein in Deutschland sind rund 4 Millionen Menschen davon betroffen. Die Patienten haben eine trockene Haut und werden von hartnäckigem Juckreiz geplagt.

Vor allem Kinder und Jugendliche leiden an Neurodermitis. Im Jahr 2007 wurden 18.000 Kinder und Jugendliche im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys untersucht. Diese Studie ergab, dass rund 13% der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren an Neurodermitis erkrankt sind. Die Erkrankungshäufigkeit bei den Menschen zwischen 18 und 80 Jahren liegt deutlich darunter. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass ca. 3% der Menschen dieser Altersgruppe in Deutschland an Neurodermitis leiden. Nicht nur die Haut, auch die Seele leidet. Der Leidensdruck der Betroffenen ist enorm: entzündete Haut als starker äußerlicher Makel empfunden, kann im Extremfall bis zur sozialen Isolierung führen und durch den unbändigen Juckreiz kommt es, neben den Schmerzen, in der Folge auch noch zur Beeinträchtigung des Schlafes. Die seelische Belastung wird durch die permanente Müdigkeit noch verstärkt und der Teufelskreis der Neurodermitis wird weiter angefacht!

Dazu kommt die dauernde Ungewissheit, wann der nächste Schub auftritt, denn bei Neurodermitis und Ekzemen geschieht dies oft völlig unerwartet. Eine Stresssituation oder schlechte Nachrichten, schon fängt die Haut wieder an zu streiken.

In den meisten Fällen sind bereits Kinder von der Erkrankung betroffen. Deswegen ist es wichtig, dass die Eltern sie bereits im Kindesalter unterstützen, um ein positives Empfinden zu ihrer Haut zu entwickeln. Eltern sollten ihre Kinder aufklären. Die Krankheit Neurodermitis ist kein Makel und ist nicht ansteckend. Wenn im Kindesalter eine gesunde Basis gelegt ist, dann hilft es den Betroffenen auch als Erwachsener gelassener mit der Erkrankung umzugehen.

Symptome und Diagnose

Neurodermitis ist eine Erkrankung, die in Schüben verläuft. In akuten Phasen treten die charakteristischen Symptome auf: Es kommt zu entzündeten Ekzemen, die z. T. nässen und verschorfen können. Hinzu kommt ein quälender Juckreiz, der sich durch Kratzen nicht bessert. Vielmehr bewirkt das Kratzen eine weitere Irritation der Haut und vermehrt damit den Juckreiz zusätzlich.

Die Ekzeme treten meist an bestimmten Körperstellen auf. Bei Säuglingen und Klein-kindern entstehen sie besonders häufig an den Wangen, der Kopfhaut, den Ellenbogen und Kniegelenken. Bei älteren Kindern und Erwachsenen bilden sich die Ekzeme vermehrt in den Armbeugen und Kniekehlen, jedoch auch im Gesicht, am Hals und an den Füßen.

Zur Diagnose können des weiteren Labortests herangezogen werden, die eine erhöhte Aktivität des Immunsystems nachweisen können. Darüber hinaus können Allergietests zeigen, ob die Neurodermitis unter Umständen durch eine Allergie hervorgerufen wird.

Menschen, die an einer besonders schweren Form von Neurodermitis leiden, haben die Ekzeme unter Umständen am gesamten Körper. Die Diagnose einer Neurodermitis erfolgt anhand eines Anamnesegesprächs und einer eingehenden körperlichen Untersuchung. Bei der Anamnese liegt das Augenmerk auf eventuell bekannten Fällen von Neurodermitis oder anderen atopischen Erkrankungen in der Familie des Patienten.

Auch der für Neurodermitis charakteristische schubweise Verlauf mit symptomfreien Zeiträumen, die sich mit akuten Phasen abwechseln, kann ein Hinweis sein. Besonders wichtig ist es, in den symptomfreien Zeiträumen auf die richtige Pflege zu achten. Häufig kann die Haut durch lange Behandlung mit Cortison geschädigt und empfindlich und dünn werden.

In akuten Phasen ist es sinnvoll, eine therapieergänzende Reinigung anzuwenden, die gleichzeitig die Keimlast reduziert, den Juckreiz minimiert und verhindert, dass die Haut austrocknet. Auf keinen Fall sollten Produkte angewendet werden, die Alkohol oder Duftstoffe beinhalten. 

Neurodermitis Behandlung

Die Therapie der Neurodermitis wird in der Regel ambulant, z. B. unter Anleitung eines Dermatologen durchgeführt. Je nach Schweregrad der Erkrankung wird sie unterschiedlich behandelt.

Ein häufiges Problem sind Superinfektionen, die durch Kratzen der vorgeschädigten Haut und durch Bakterien (z.B. Staphylococcus aureus), Viren oder Pilze entstehen.
In symptomfreien Zeiträumen ist in der Regel eine auf die besonderen Bedürfnisse der Haut abgestimmte Basispflege ausreichend. Nach Möglichkeit sollten Produkte zur Anwendung kommen, die keine Substanzen enthalten, die die Haut reizen, austrocknen oder eine allergische Reaktion auslösen könnten.

Bei mittleren bis schweren Entzündungsreaktionen ist hingegen meist eine systemische, im gesamten Körper wirkende Therapie angezeigt. In diesem Fall werden die Medikamente als Tabletten oder Injektionen verabreicht. Hierzu kommen auch Substanzen zum Einsatz, die das Immunsystem beeinflussen. Des Weiteren kann eine Phototherapie, d. h. die Bestrahlung des Körpers mit Licht angewandt werden.

So wie die Auslöser der Neurodermitis bei allen Betroffenen unterschiedlich sind, so werden auch die Therapien individuell angepasst.